Lucian - Isabel Abedi Dieses Hörbuch hat mir wider Erwarten (und obwohl ich im Grunde durch Goodreads-Regalbezeichnungen schon etwas gespoilert war) erstaunlich gut gefallen. Ich habe mich auf jede Bus- und Bahnfahrt gefreut, nur um endlich weiter der Geschichte von Rebecca und Lucian folgen zu können. Die Liebesgeschichte war zwar ein wenig zuckrig (interessanterweise fand ich die Entwicklung in Buchform unverständlicher und im "creepy"-Sinne gruseliger als ich vermutlich eine derartige Situation im wirklichen Leben bewertet hätte), aber streckenweise schön wehmütig und atmosphärisch beschrieben. Besonders, dass es sich nicht im eigentlichen Sinne um Insta-Love handelte, sondern Rebecca durchaus kritisch ihre Empfindungen und Erlebnisse reflektiert, hat mir gut gefallen.Rebecca selbst war eine sympathische, intelligente Protagonistin, die zwischendurch (wie vermutlich jeder Teenager) auch ihre Aussetzer und -raster hatte, über die ich nur den Kopf schütteln konnte, aber die teilweise stressbedingt auch nachvollziehbar waren. Die anderen Figuren haben mir ebenfalls gut gefallen und haben gut ausgearbeitete und nachvollziehbare Persönlichkeiten und wurden somit regelrecht lebendig.Positiv empfand ich weiterhin, dass neben der Liebesgeschichte auch noch anderen wichtigen Beziehungen wie Familie und Freundschaften und deren Dynamiken viel Platz eingeräumt wurde. Erfrischend!Ebenso hat mich gefreut, dass alle Fragen im Laufe der Geschichte geklärt wurden, Zusammenhänge verständlich wurden und man nicht ratlos zurückgelassen wurde. Ein wenig mehr Geduld hätte das meinerseits sicher gefordert und zwischendurch war ich einige Male recht frustriert; da sich im Endeffekt die Auflösung dann stets ergeben hat, bin ich zufrieden.Minus ein Punkt Abzug, weil das "Mysterium" bis kurz vor Ende Logiklücken durch schlechte Erklärung des Mysteriums aufzuwiesen schien, was mich sehr gewurmt hat. Das Ende selbst (und vor allen Dingen "DIE" Szene) fand ich, wenn auch bittersüß und passend, insgesamt ein wenig abrupt und antiklimatisch, wohingegen am Anfang jede noch so nichtig scheinende Szene ein wenig zu breit ausgewälzt schien.Außerdem kann ich nicht verstehen und akzeptieren, dass das Thema Verhütung in Jugendliteratur, selbst wenn es sich um noch so rational denkenden Figuren handelt, nicht einmal ansatzweise reflektiert und angesprochen wird. Dieser Umstand stößt mir jedes Mal auf.Kurz noch zur Lesung selbst: Katharina Nachtmanns Stimme fand ich zwar sehr angenehm und ausdrucksvoll, für Rebecca so wie ich sie mir vorgestellt habe, etwas zu maskulin. Trotzdem gelang es ihr so einige Male, durch ihre intensive Darbietung eine Gänsehaut den Rücken hinunterlaufen, das Herz höher klopfen, oder die Tränen in die Augen steigen zu lassen. Die kurzen musikalischen Zwischeneinlagen mit Gitarrenriffs trugen ebenfalls zur Atmosphäre und Auflockerung der Geschichte bei.